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AnleihenRisiken von Anleihen

Risiken von Anleihen

Risiko Anleihen? - Risiken bei der Geldanlage in Anleihen

Im diesem Beitrag werfen wir einen Blick auf die verschiedenen Arten von Risiko, die mit der Anlage in Anleihen verbunden sind. Auch wenn Anleihen viel geringeren Preisschwankungen ausgesetzt sind als Aktien sind sie keinesfalls risikolos. Vor der Geldanlage in Anleihen sollten die damit verbunden Risiken auf jeden Fall beachtet werden.

 

Zinsänderungsrisiko

Eine Änderung des Zinsniveaus beeinflusst den Marktwert einer Anleihe. Wenn die Zinsen steigen, sinken die Anleihen im Kurs. Wenn die Zinsen fallen, steigen die Anleihen. Das Zinsänderungsrisiko kann mit der Duration gemessen und berechnet werden. 

Beispiel: Ich investiere eine grössere Summe in eine neue Anleihe der Rabobank mit Laufzeit 10 Jahren und festem Zinssatz von 4%. Zwei Monate nach der Anlage steigen die Zinsen von 4% auf 5%. Mist! denke ich, hätte ich doch nur noch zwei Monate abgewartet, dann könnte ich jetzt in eine zehnjährige Anleihe mit 5% Zins statt nur 4% Zins investieren. In zehn Jahren macht das 10% mehr Zins! Meine Anleihe ist gegenüber den neuen 5%-Anleihen unattraktiv geworden, da sie nur 4% zahlt. Verkaufen kann ich sie aber nur noch mit Verlust, denn die Anleihe ist am Markt von 100% auf 91% gefallen. Ich habe somit erfahren müssen, was Zinsänderungsrisiko bedeutet.

Zinsänderungsrisiko berechnen

 

Zinskurvenrisiko

Das Zinskurvenrisiko entsteht, wenn sich das Gefälle zwischen kurzfristigen Zinsen und langfristigen Zinsen verschiebt. Wie beim Zinsänderungsrisiko führt eine Veränderung der Zinsen zu einer Neubewertung der Preise von Anleihen. Eine Veränderung der Zinskurve bedeutet, dass Anleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten unterschiedlich stark von der Verschiebung betroffen sind.

Beispiel: Ich halte ein Anleihen-Portfolio mit Papieren unterschiedlicher Laufzeiten. Die Zinskurve ist wie folgt: 2% Zins auf 1 Jahr, 2.5% Zins für 5 Jahre und 3% für 10 jährige Laufzeiten. Nun erfolgt am Markt eine Veränderung der Zinskurve. Die kurzfristigen Zinsen fallen stark, die langfristigen Zinsen steigen aber weiter. Die neue Zinskurve ist viel steiler geworden: 1% Zins auf 1 Jahr, 2.5% Zins auf 5 Jahre und 5% Zins auf 10 Jahre. Mein Anleihen-Portfolio ist von der Veränderung der Zinskurve betroffen. Meine einjährigen Papiere steigen im Wert, die fünfjährigen bleiben gleich, während die zehnjährigen im Wert verlieren. Hätte ich nur mehr einjährige und weniger zehnjährige gekauft. Eine Verschiebung der Zinskurve ist ein somit ein Risiko.

 

Wiederanlagerisiko

Das Wiederanlagerisiko beschreibt das Risiko Zinsen und Rückzahlung nicht mehr zu den gleich guten Konditionen anlegen zu können. Fallen die Zinsen, muss ich die Zahlungsströme zu tieferen Zinsen neu anlegen und kann die avisierte Rendite nicht mehr erreichen.

Das Wiederanlagerisiko betrifft im besonderen Anleihen mit vorzeitigem Rückzahlungsrecht. Bei sinkenden Zinsen wird der Schuldner nach Möglichkeit eine vorzeitige Rückzahlung vornehmen. Der Anleger kann die Rückzahlung aber nicht mehr zu den gleich guten Konditionen wiederanlegen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom prepayment-risk oder dem call-risk.

Zerobonds, sind mit weniger Wiederanlagerisiko behaftet, da keine Zinsen wiederangelegt werden müssen, sondern nur die Rückzahlung. 

Beispiel: Mein Erspartes habe ich in Anleihen investiert die 5% Zins abwerfen. Die Zinsen benötige ich, um die Miete meines Ferienhaus zu zahlen. Nun werden die meisten meiner Anleihen fällig. Mit Schrecken stelle ich fest, dass ich die Fälligkeiten nicht mehr zu 5% wiederanlegen kann. Für Anleihen guter Bonität gibt es nur noch 2% Zins. Kann ich mir das Ferienhaus noch leisten? Ich bin vom Wiederanlagerisiko betroffen!

 

Kreditrisiko und Konkursrisiko

Kreditrisiko ist das Risiko, dass die Zahlungsfähigkeit des Schuldners beschreibt. Kredit kommt vom Wort credere, was Vertrauen bedeutet. Ein Kredit beinhaltet immer das Vertrauen, dass der Schuldner Zinsen und Rückzahlung pünktlich zahlen kann. 

Verliert der Schuldner an Kreditwürdigkeit, verliert die Anleihe an Wert. Die Kreditwürdigkeit eines Schuldners wird mit einer Bonitätsnote gemessen. Eine Herabstufung der Bonitätsnote kann den Preis einer Anleihe negativ beeinflussen. Man spricht vom downgrade-risk.

Kann der Schuldner seinen finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommen, droht ein Konkurs. Das Konkursrisiko (default-risk) beeinträchtigt den Wert der Anleihe am stärksten. Ist der Schuldner bankrott, droht ein Totalausfall der Anleihe. Das Kreditrisiko im Zusammenhang mit ausländischen Staaten wird auch sovereign-risk genannt.

Beispiel: Als Beispiel sind Anleihen von Griechenland ab 2010 oder Argentinien (2002) zu erwähnen. Die Bonität der Schuldner verschlechterte sich zusehends, was den Preis der Anleihe von 100% auf unter 50% drückte. Schliesslich wurde die Anleihe durch den Schuldner in neue Anleihen mit weniger Wert umgetauscht. Der Grossteil des investierten Kapitals ging damit verloren. 

 

Liquiditätsrisiko

Hat mit der Handelbarkeit einer Anleihe während der Laufzeit zu tun. Der Handel kann austrocknen und die Anleihe wenn überhaupt nur noch zu schlechten Kursen verkauft werden. Vom Liquiditätsrisiko sind Anleihen mit kleiner Auflage stärker betroffen als Anleihen mit grosser Auflage. Staatsanleihen zum Beispiel werden immer gehandelt, während eine kleine Emission eines Mittelständischen-Unternehmens schon kurz nach Auflage nicht mehr gross gehandelt wird. Je weniger Handel, desto grösser wird die Geld-Brief-Spanne. Diese Differenz zwischen Verkaufskurs und Kaufkurs wird auch Spread genannt. 

Beispiel: Ich habe eine Anleihe einer kleinen Unternehmung gekauft. Da ich Geld benötige möchte ich die Anleihe gerne verkaufen. Zu meinem Erschrecken teilt mir mein Bankberater mit, dass die Anleihe illiquide geworden ist. Momentan sind keine Käufer am Markt, die meine Anleihen kaufen möchten. Dieses Liquiditätsrisiko war ich mir nicht bewusst.

 

Fremdwährungsrisiko

Anleihen in fremder Währung unterliegen dem Fremdwährungsrisiko. Währungen können im Kurs stark schwanken und dem Anleger grosse Verluste oder Gewinne bescheren.

Beispiel: Wegen den hohen Zinsen und weil mir das Land gefällt, habe ich Anleihen in isländischer-Krone gekauft. In der Finanzkrise 2008/2009 hat sich der Wert der Islandkrone im Nichts aufgelöst. Der Zinsvorteil hat sich in ein riesen Verlust verwandelt. 

 

Inflationsrisiko

Risiko einer unerwarteten Inflation und Verlust an Kaufkraft. Der zukünftige reale Wert der Rückzahlung einer langjährigen Anleihe, kann durch Inflation gemindert werden. 

Es gibt auch inflationsgeschützte-Anleihen, deren Wert um die Inflation angepasst wird.

Beispiel: Die Erbschaft, die ich soeben gemacht habe möchte ich langfristig anlegen, um mir damit meine Rente aufzubessern. Also kaufe ich zwanzigjährige Nullkuponanleihen zu 37%. Bei Rückzahlung in 20 Jahren zu 100% kann ich das Kapital mehr als verdoppeln. Leider habe ich nicht mit der Inflation gerechnet. Bei Rückzahlung ist das Geld trotz Kursgewinnen nur noch die Hälfte dessen Wert, was es mal war. Preise und Mieten haben sich vervierfacht; ich kann mit dem Geld weniger kaufen als gedacht und habe an Kaufkraft verloren. Das Inflationsrisiko wird mir jetzt deutlich bewusst.

 

Risiko unerwarteter Ereignisse (Event-Risk)

Unerwartete Ereignisse können ein Unternehmen hart treffen. Umweltkatastrophen, Übernahmen und Fusionen, neue Gesetze usw. können die Finanzkraft eines Unternehmens stark beeinflussen. 

Solche Ereignisse beeinflussen auch den Wert der Anleihe des betroffenen Schuldners. 

Beispiel: Erinnern wir uns an das Erdbeben 2011 in Japan und der damit verbundenen Havarie des Atomreaktors in Fukushima. Anleihen der Betreibergesellschaft Tepco verloren innert Kürze massiv an Wert. Kurz darauf hat Deutschland den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen. Dies hat den Wert der Anleihen E.On's und RWE's gedrückt.

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